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Wann und wie darf mein Welpe anfangen?

Von Anna Hinze
October 3, 2024
6
Minuten Lesezeit
Wann und wie darf mein Welpe anfangen?

Welpen & Agility: Wann und wie darf mein Welpe anfangen?

Neue Erkenntnisse im Hundetraining

Früher war die gängige Meinung: „Warte, bis dein Welpe ein Jahr alt ist, bevor du mit dem Training beginnst.“ Diese Ansicht basierte auf der Annahme, dass jüngere Hunde noch nicht reif genug für strukturiertes Lernen seien.

Heute haben wir jedoch ein tieferes Verständnis der caninen Entwicklung gewonnen. Wir wissen jetzt: Der Lernprozess beginnt in dem Moment, in dem der Vierbeiner in unser Leben tritt, unabhängig davon, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Jede Interaktion, jede neue Erfahrung formt die Persönlichkeit und das Verhalten unseres neuen Familienmitglieds.

Stell dir deinen Welpen als einen kleinen, neugierigen Entdecker vor. Sein Gehirn ist wie ein Schwamm, der jede Erfahrung begierig aufsaugt und verarbeitet. Von der sanften Ansprache deiner Stimme über das Knistern der Leckerli-Tüte bis hin zum fröhlichen Spiel im Garten: All diese Momente sind wertvolle Lerngelegenheiten, die den Grundstein für eine harmonische Mensch-Hund-Beziehung legen.

Früh übt sich, was ein Meister werden will

Lern deinen Welpen richtig kennen. Finde heraus, was dein neuer Begleiter mag und was nicht. So kannst du gezielt Spaß in jede Übung bringen und bereits früh an kleinen Unsicherheiten arbeiten.

Mach das Lernen zum Highlight des Tages. Entdecke gemeinsam mit deinem Welpen die Freude am Lernen! Ob im Wohnzimmer oder im Park, überall kann spielerisch gelernt werden. So wird jeder Spaziergang zu einem kleinen Abenteuer.

Nutze die „Superpower“ deines Welpen. In den ersten Monaten lernt dein Welpe besonders schnell. Nutze diese Zeit, um tolle Erfahrungen zu sammeln und wichtige Grundlagen zu legen!

Baut eine unzertrennliche Freundschaft auf. Jetzt ist die perfekte Zeit, um eine starke Bindung aufzubauen. Zeig deinem Welpen, dass du der coolste Mensch auf der Welt bist und immer für ihn da sein wirst. Wie du diese Verbindung in ganz kleinen Schritten aufbaust, zeige ich dir in Die Ein-Minuten-Revolution.

Gesundheit geht vor: auch im Training

Dein Welpe ist wie ein kleiner Superheld in Ausbildung: Seine Knochen und Gelenke brauchen noch etwas Zeit, um richtig stark zu werden. Deshalb gehen wir’s langsam an und steigern das Training erst, wenn der Hund bereit dafür ist. Etwa mit einem Jahr empfiehlt es sich ein Röntgenbild der Gelenke anfertigen zu lassen. Der Tierarzt gibt uns grünes Licht für die nächste Trainingsphase!

Beim Training ist es wie beim Kochen: Die richtige Mischung macht’s! Zu viel Action könnte der Entwicklung deines Welpen schaden, aber ein gewisses Maß an Belastung braucht er für die Entwicklung der Knochen und Gelenke. Die Herausforderung liegt darin, die perfekte Balance zu finden, damit dein Hund gesund und glücklich aufwächst. Mehr zum Thema Balance im Training findest du hier.

Deshalb starte ich im Kurs Basics für Sporthunde ganz entspannt mit den Grundlagen, ohne Agilitygeräte. Später, wenn dein Hund älter ist, können wir richtig loslegen. Durch die erlernten Basics ist das Training dann super effektiv und macht dir und deinem Hund auch viel Spaß!

Warum Basics für Welpen?

Wir beginnen mit den grundlegenden Elementen, dem Fundament für eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Mensch und Hund. In dieser Phase geht es darum, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und die Welt aus der Perspektive deines Welpen zu entdecken. Das Training der Agility-Geräte wird zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt, wenn dein Hund die notwendigen Grundlagen verinnerlicht hat und körperlich dafür bereit ist. Ein gutes Beispiel ist das Fokuskommando: Es lässt sich ganz ohne Geräte aufbauen und ist später die Grundlage für die Arbeit auf Distanz.

Warum sind diese Basics so entscheidend für den weiteren Trainingserfolg?

  • Dein Hund entwickelt eine beeindruckende Lernfähigkeit, die es ihm ermöglicht, neue Konzepte und Übungen schnell zu erfassen
  • Ihr entwickelt eine intuitive Verständigung im Parcours, oft reicht schon ein kurzer Blickkontakt oder ein leises Kommando, um perfekt zu harmonieren
  • Selbst in einer Umgebung voller Ablenkungen und Reize bleibt dein Hund fokussiert und aufmerksam
  • Durch ein klares Verständnis des Belohnungssystems wird das Lernen zu einem freudigen Erlebnis für deinen Vierbeiner
  • Dein Hund entwickelt Selbstständigkeit und die Fähigkeit, auch auf größere Entfernung zuverlässig mit dir zu arbeiten
  • Die Kunst, am Start ruhig und konzentriert zu bleiben, wird zur Selbstverständlichkeit

So könnt ihr später die Agility-Geräte schnell aufbauen, wenn euer Hund alt genug dafür ist.

Welche Basics sollte dein Welpe lernen?

Die folgenden grundlegenden Fähigkeiten sind wesentliche Bausteine für das zukünftige Agility-Training deines Hundes. Betrachte sie als einen vielseitigen Werkzeugkasten, auf den du zurückgreifen kannst, wenn du später fortgeschrittenere Übungen trainierst. Je mehr Werkzeuge du im Repertoire hast, desto effizienter kannst du arbeiten.

Bevor du deinen Hund an Agility-Geräte heranführst, sollte er das hier beherrschen:

  • Verstehen des Belohnungssystems: wann ist wo die Belohnung zu erwarten
  • Spielzeug apportieren
  • Mit dem Futterautomaten vertraut sein
  • Aufmerksam sein
  • Geschicklichkeit und Koordination
  • Gute Bindung zu dir und Spaß am Lernen
  • Kreativ mit Objekten interagieren (Shaping)
  • Links und rechts am Boden unterscheiden können

In den ersten Monaten mit deinem neuen Familienmitglied wirst du mit dem Training dieser Grundlagen jede Menge Spaß haben! Der Kurs „Basics für Sporthunde“ ist wie ein roter Faden und versorgt dich mit vielen altersgerechten Übungsideen.

Ab wann welches Gerät?

  • Von Woche 8 bis Monat 5/6: „Basics für Sporthunde“, alle Basics ohne Geräte
  • Von Monat 6 bis 9: „Basics für Sporthunde – Aufbaukurs“, erste Geräte kennenlernen
  • Ab Monat 9/10: „Run It“, der Stegkurs, beginnend mit Bodenübungen
  • Ab Monat 11: „In & Yo“, Innen- und Hintenkommando, niedrige Stangen
  • Ab Monat 12: Außen, niedrige Stangen
  • Jetzt ab zum Tierarzt für ein Röntgenbild. Wenn alles gut aussieht:
  • Ab Monat 13: Sprungtechnik, langsam höher werden
  • Ab Monat 14: „Bang It“, der Wippenkurs, aber erst, wenn der Steg sitzt
  • Ab Monat 15: Slalom
  • Ab Monat 16: A-Wand

Denk dran: Das ist nur eine Richtlinie, wann ich frühestens mit dem Gerät starten würde. Jeder Hund ist einzigartig und lernt in seinem eigenen Tempo. Diese Reihenfolge hat sich bei mir bewährt, aber pass sie gerne an deinen Hund an.

Und vergiss nicht das Wichtigste: Hab immer Spaß beim Training mit deinem Welpen!

Anna Hinze
Hi, ich bin Anna

Ich laufe seit 23 Jahren Agility und gebe seit 16 Jahren mein Wissen an andere Teams weiter. Psychologie und E-Learning habe ich studiert, deshalb erkläre ich in meinen Artikeln nicht nur was, sondern auch warum.

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