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Die European Open 2025, Teil 1: Wie ich Move und mich auf Portugal vorbereitet habe

Von Anna Hinze
July 1, 2025
5
Minuten Lesezeit
Die European Open 2025, Teil 1: Wie ich Move und mich auf Portugal vorbereitet habe

Mitte Juli sind Move und ich 3.000 Kilometer nach Portugal gefahren, um bei der European Open an den Start zu gehen, einer der wichtigsten Agility-Veranstaltungen weltweit. Move hatte sich als einer von nur acht Small-Hunden für das deutsche Team qualifiziert. Bevor ich dir erzähle, wie das Turnier selbst gelaufen ist, will ich mit der Vorbereitung anfangen, denn die hat am Ende mindestens genauso viel entschieden wie die Läufe selbst.

Die Vorbereitung: 3.000 Kilometer und richtig heißes Wetter

Mitte Juli in Portugal, draußen auf Naturrasen: Es wurde heiß. Richtig heiß. Die Veranstalter hatten sich Gedanken gemacht, Kühlzelte mit Klimaanlagen für die Hunde, mehrere Schwimmbecken zum Abkühlen, einen angepassten Zeitplan mit Start um 6 Uhr morgens und einer Pause während der heißesten Stunden. Mein Learning daraus: Auch im eigenen Training lassen sich solche Anpassungen machen. Früh am Morgen oder abends zu trainieren macht im Sommer einen riesigen Unterschied.

Für die Fahrt selbst, 28 bis 30 Stunden im Wohnmobil, das sich schnell aufheizt, hatte ich mir eine Drei-Schritte-Strategie zurechtgelegt. Schattenmanagement: silberne Sonnensegel über das Wohnmobil gespannt, dazu Ventilatoren für die Fenster für bessere Durchlüftung nachts. Hundespezifische Ausrüstung: Schattenmäntel aus demselben silbernen Material, die man nass machen kann und die die Hunde kontinuierlich kühlen. Und Training unter realen Bedingungen: Wir haben seit Wochen auf Naturrasen in der Sonne geübt, mit dem Ergebnis, dass Move von den Temperaturen überhaupt nicht gestört war und genauso konzentriert lief wie sonst auch.

Drei Dinge sind mir aus dieser Vorbereitung besonders hängen geblieben. Erstens: Gewöhnung schlägt Perfektion. Statt nur bei perfekten Bedingungen zu trainieren, haben wir bewusst verschiedene Untergründe und Temperaturen getestet, und Move ist dadurch anpassungsfähiger geworden. Zweitens: Vorbereitung gibt Sicherheit. Jede Kleinigkeit, die ich vorab plane, nimmt mir Stress vor Ort, und weniger Stress bei mir bedeutet einen entspannteren Hund. Und drittens: Der Weg ist Teil des Ziels. Die 3.000 Kilometer Anfahrt waren kein notwendiges Übel, sondern Teil des Abenteuers.

Warum diese EO mehr bedeutete als andere Turniere

In den Tagen vor dem Start ging mir eine andere Geschichte durch den Kopf. 2019 wurde ich mit meiner Border Collie May Europameisterin im Team, einer der emotionalsten Momente meiner Agility-Laufbahn. Was ich damals nicht wusste: Es war eines ihrer letzten großen Turniere. Nach Corona kam sie nie wieder zurück zum Sport, und Anfang 2025 ist sie von uns gegangen. Diese Erfahrung hat meine komplette Herangehensweise an mentale Vorbereitung verändert, vom Fokus auf Platzierungen, Zeiten und Vergleiche mit anderen hin zu einem Fokus auf das, was ich tatsächlich kontrollieren kann.

Um mir realistische Ziele zu setzen, musste ich zuerst das Format verstehen. Die EO besteht aus zwei Wettbewerben. Im Teamwettbewerb gibt es zwei Qualifikationsläufe, danach kämpfen die qualifizierten Teams in einem riesigen Finalparcours mit vier Teams, die aus vier verschiedenen Ecken starten, fast wie ein Staffellauf, bei dem Taktik genauso wichtig ist wie Geschwindigkeit. Im Einzelwettbewerb gibt es ebenfalls eine Agility- und eine Jumping-Qualifikation, danach ein Finale, in dem alles bei null anfängt: Ein Lauf bestimmt das Podium, purer Druck.

Mit diesem Verständnis habe ich mir Ziele gesetzt, die ich selbst beeinflussen konnte. Im Team: solide Läufe liefern, zusammen mit Daniel Schröder, Silas Boogk und Maurice Münch, deren kollektive Stärken das Teamformat gut ausspielt. Im Einzel: ins Finale kommen und dort das Beste geben, wohl wissend, dass Move aufgrund ihrer Größe nicht die Schnellste ist, ein fehlerfreier Lauf uns aber trotzdem weit bringen kann. Ziele, die außerhalb meiner Kontrolle liegen, wie Platzierungen, erzeugen Stress. Ziele, die ich selbst beeinflussen kann, geben mir Kraft.

Neben der mentalen Vorbereitung haben wir in den Wochen vor der EO auch gezielt an einem ganz konkreten Skill gearbeitet: Geräteunterscheidung. Auf einem internationalen Parcours, den weder Move noch ich vorher kannten, reicht es nicht, dass sie ein Gerät erkennt, wenn ich direkt davor stehe. Sie muss es auch dann sicher ansteuern, wenn zwei Optionen nah beieinander liegen und die Entscheidung wirklich bei ihr liegt. Genau dafür haben wir in den Wochen vor Portugal viel Zeit investiert, und dieses Training hat sich bei der EO immer wieder ausgezahlt.

Meine mentale Vorbereitung baute auf drei Säulen. Keine Experimente vor dem Event: In der letzten Trainingswoche habe ich vertraute Übungen perfektioniert, Start, Wippe, Steg, und keine neuen Skills ausprobiert oder an Problemskills herumgewerkelt. Mentale Filme erstellen: Vom Moment, wo ich die Parcoursbegehung verlasse, visualisiere ich meinen Lauf und spiele ihn immer wieder ab, jede Bewegung, jedes Kommando, um in die Fokus-Zone zu kommen, bevor ich überhaupt am Start stehe. Und Perspektive bewahren, mit dem Mantra: Das ist nur Agility, ich nehme den besten Hund mit nach Hause. Ein Fehler definiert nicht die ganze Erfahrung, und wir genießen schon die Reise, die Atmosphäre, das Abenteuer.

Die wichtigste Lektion von May war nie, wie man gewinnt. Sie hat mir gezeigt, dass jeder Lauf ein Geschenk ist, dass die Verbindung zwischen Hund und Mensch wichtiger ist als jede Platzierung, und dass wahre Stärke nicht bedeutet, nie einen Fehler zu machen, sondern dankbar zu sein für jeden Moment, den man gemeinsam auf dem Platz verbringen darf.

Wie es dann in Portugal tatsächlich gelaufen ist, der Teamwettkampf, die Einzelläufe mit ihren vermeintlichen Fehlern und eine Silbermedaille, die mich mehr beschäftigt hat, als ich erwartet hätte, erzähle ich dir im zweiten Teil: Die European Open 2025, Teil 2: Was Silber mich über Druck, Fehler und Erfolg gelehrt hat.

Anna Hinze
Hi, ich bin Anna

Ich laufe seit 23 Jahren Agility und gebe seit 16 Jahren mein Wissen an andere Teams weiter. Psychologie und E-Learning habe ich studiert, deshalb erkläre ich in meinen Artikeln nicht nur was, sondern auch warum.

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