Skills

3 simple Challenges für wenig Platz

Von Anna Hinze
June 16, 2024
7
Minuten Lesezeit
3 simple Challenges für wenig Platz

3 Challenges für kleine Plätze: Versteht dein Hund seine Kommandos?

Sheltie springt auf kleinem Platz über eine Hürde neben einem Tunnel

Die wenigsten Agilitysportler haben einen eigenen Parcours vor der Haustür und damit ideale Trainingsbedingungen. Dieses Problem kenne ich sehr gut: In meiner Studentenzeit habe ich auf 25 Quadratmetern gewohnt, die nächste Trainingsmöglichkeit war 30 Minuten entfernt, die Hundesporthalle 60. In meiner kleinen Wohnung hatte ich Platz für zwei Falthürden, die ich auf einem öffentlichen Sportplatz aufbauen konnte.

Nach einem Umzug hatte ich mehr Equipment, aber nur einen sehr kleinen Garten. Zum Teil fand mein Training auf einem Grünstreifen von zwei Metern Breite und acht Metern Länge statt. Mit etwas Kreativität ging das trotzdem. Meine Hunde lernten auch mit wenig Platz den einen oder anderen Skill, der im großen Parcours dann äußerst nützlich war.

Zugegeben, heute habe ich ideale Trainingsmöglichkeiten. Trotzdem finden etwa zwei Drittel meines eigenen Trainings an zwei bis drei Geräten und auf kleiner Fläche statt. Ich erarbeite lieber kleine Details, als lange Parcours zu laufen.

Viele dieser Übungen testen, wie gut dein Hund bestimmte Hürdenkommandos wirklich verstanden hat. Wenn du eine Schwachstelle entdeckst, mach die Aufgabe einfacher, damit dein Hund Erfolg hat. Nach und nach kannst du sie wieder schwieriger machen.

Die Challenges

Der grüne Kreis in den Skizzen steht für die ausgelegte Belohnung: ein Spielzeug, eine Futterbelohnung oder ein Futterautomat. Egal was du wählst: Dein Hund sollte es gut anfokussieren und sich dort selbstständig bedienen können. Ein Clicker hilft, die richtige Entscheidung akustisch zu markieren.

Ein Fokuskommando gibt deinem Hund dabei eine Hilfestellung. Hier erfährst du mehr darüber, wie du es aufbaust.

Challenge 1: Vor

Diese Challenge eignet sich vor allem für junge Hunde oder Anfängerhunde. Aber auch für erfahrenere Hunde, die sich nicht gerne vom Handler lösen, ist sie relevant. Beim „Vor“-Kommando möchte ich, dass der Hund den Sprung gestreckt nach vorn springt.

1.1: Dein Hund soll auf das Vor-Kommando über die Hürde springen und sich die Belohnung am grünen Punkt nehmen. Du stehst neben der Hürde, bewegst dich nicht mit und zeigst die Hürde auch nicht mit deiner Körpersprache an. Er soll lernen, sie allein auf das Kommando zu nehmen.

1.2: Du veränderst deine Position schrittweise, bis du auf halber Strecke zwischen Hund und Hürde stehst. Auch hier schickst du rein über das verbale Kommando.

1.3: Jetzt stehst du neben dem Hund. Nimmt er das Kommando auch aus dieser Position an? Dann vergrößere den Abstand. Wer seinen Hund fünf bis sieben Meter schicken kann, ohne selbst mitzulaufen, hat schon gute Grundlagen gelegt.

Skizze Challenge 1: Vor (drei Handlerpositionen an einer Hürde)

Challenge 2: Sprungkommando

Von dieser Challenge profitieren alle Hunde, die noch mehr Gerätefokus gebrauchen können. Ein Sprungkommando ist besonders hilfreich in Startsituationen, in denen du nicht direkt in gerader Linie abrufen kannst. Beim Sprungkommando erwarte ich, dass der Hund die Hürde nimmt und sich danach in meine Richtung orientiert.

2.1: Dein Hund sieht die Belohnung leicht versetzt neben der Hürde. Der einfache Weg dorthin führt am Sprung vorbei. Wählt er diesen Weg, gibt es die Belohnung nicht. Du stehst seitlich, gibst nur das Verbalkommando und gehst nicht auf die Hürde zu. Er muss vorbeilaufen können und sich aktiv für die Hürde entscheiden.

2.2: Du veränderst deine Position und die Startposition immer weiter, bis dein Hund einen deutlichen Bogen zur Hürde laufen muss. Je weiter du weg bist, desto eher lohnt sich ein Fokus-Kommando vor der Auflösung.

2.3: Du veränderst den Winkel der Hürde. Je flacher sie steht, desto schwieriger wird es für viele Hunde, sie zu fokussieren.

Je nachdem, wie du schickst, entsteht eventuell eine Überlappung mit anderen Hürdenkommandos. Das Sprungkommando ist deshalb nicht an eine bestimmte Art geknüpft, den Sprung zu nehmen. Es dient der Unterscheidung, wenn zwischen zwei Geräten differenziert werden muss, und als Hilfe beim Führen auf Distanz.

Alle Challenges sind der Einfachheit halber nur auf einer Führseite dargestellt. Trainiert wird natürlich links und rechts.

Skizze Challenge 2: Sprungkommando (drei Varianten)

Challenge 3: Innen und Außen

Diese Challenge ist für viele Hunde recht schwer, auch für erfahrene. In allen drei Aufgaben frage ich im Wechsel das Innen- und das Außen-Kommando ab. Ein selbstständiges Innen beziehungsweise Außen, unabhängig von deiner Position, hilft beim Führen auf Distanz und immer dann, wenn du weit vor dem Hund bist und an der Hürde nicht helfen kannst.

3.1: Du stehst auf Höhe der Hürde. Dein Hund wartet genau mittig, sieht die Hürde also nur im Profil. Die Belohnung liegt ebenfalls mittig. Nur über das Kommando fragst du das Sprungverhalten ab. Macht dein Hund anfangs viele Fehler, hilf noch etwas mit den Armen: Der zur Seite gerichtete Arm hilft beim Außen, die nach hinten geöffnete Schulter beim Innen. Ziel ist, dass es am Ende ohne geht.

3.2: Du stehst vor der Hürde auf Höhe der Belohnung. Für viele Hunde ist diese Position ein Indikator für das Innen-Kommando. Fällt das Außen schwer, verändere deine Position aus 3.1 nur schrittweise.

3.3: Du stehst neben dem Hund. Jetzt zieht allein die ausgelegte Belohnung nach vorn. Aus dieser Position kannst du kaum unbewusste körpersprachliche Hilfen geben. Dein Hund ist an der Hürde auf sich gestellt. Genau das trainiert das selbstständige Annehmen.

Skizze Challenge 3: Innen und Außen (drei Handlerpositionen)

Wusstest du schon?

Übungen wie diese fördern nicht nur das Verständnis für die Sprungkommandos, sie fordern nebenbei einiges an mentaler Kapazität. Halte die Einheiten deshalb kurz: Zwei bis drei Minuten reichen oft völlig. Trainier lieber häufiger, dafür kurz. Und denk an die Balance zwischen Denkübungen wie diesen und Triebübungen, damit dein Hund die Motivation nicht verliert. Mehr darüber erfährst du hier.

Achte darauf, die Übungen nicht zu schwer zu gestalten. Bei statischen Denkaufgaben kommt nach Fehlern schneller Frust auf. Belohne die Erfolge ausgiebig und lockere das Ganze mit Spielpausen auf. Wenn du feststeckst, geh ein paar Schritte zurück und mach es deinem Hund leicht.

Diese Challenges lassen sich auch auf niedrigerer Sprunghöhe üben. Hier kommt es aufs Zuhören und aufs Verstehen an, nicht auf die körperliche Fitness. Niedriger heißt weniger Belastung, und dein Hund ermüdet nicht so schnell.

Lust auf mehr?

Viele kleine Challenges zur Kommandounterscheidung findest du im Kurs „This or That?“. Er bereitet dich auf die höheren Agilityklassen vor, in denen die selbstständige Unterscheidung zwischen zwei Geräten gefragt ist. Voraussetzung: Dein Hund kennt ein Fokuskommando und kann es mit dem Gerätekommando kombinieren. Falls dein Hund das Fokuskommando noch nicht kennt, fängst du besser mit „Gerätefokus und Distanz“ an.

Anna Hinze
Hi, ich bin Anna

Ich laufe seit 23 Jahren Agility und gebe seit 16 Jahren mein Wissen an andere Teams weiter. Psychologie und E-Learning habe ich studiert, deshalb erkläre ich in meinen Artikeln nicht nur was, sondern auch warum.

Mehr über mich →
Weiterlesen

Das könnte dich auch interessieren

Weiterlesen reicht nicht

Prinzip verstanden. Und jetzt?

In der Kursbibliothek findest du den passenden Aufbau Schritt für Schritt, mit Videoanleitungen und echten Korrekturen.